Anfang April hatte Pia
Geburtstag. Weil der in den Osterferien liegt, hat sie vorher gefeiert, damit
noch alle Freunde in Lille sind. Wir haben bei uns im Wohnheim angefangen,
waren dann in ein paar Bars und am Ende im Club.
An ihrem eigentlichen Geburtstag
ein paar Tage später war wunderschönes Wetter. Wir haben uns morgens auf dem
Marché de Wazemmes getroffen, haben für ein Picknick eingekauft und
anschließend alles vorbereitet und einen Kuchen gebacken. Voll bepackt ging es
in die Zitadelle, wo wir den ganzen Tag damit verbracht haben, zu essen und in
der Sonne zu liegen. Den Abend haben mit zwei Freunden in einer Bar ausklingen
lassen, die auch einen Freiwilligendienst in Lille machen.
Im Laufe des Monats ging es immer
weiter auf die erste Wahlrunde der französischen Präsidentschaftswahlen zu. Wir
haben alle großen Debatten im Fernsehen verfolgt, aber auch so kam man an dem
Thema nicht vorbei. Besonders frappierend war in unserer Gegend die Kampagne
von Mélenchon. Kaum hat man das Haus verlassen, wurde einem schon ein Flyer in
die Hand gedrückt. Es waren vor allem sehr viele junge Menschen mit voller
Begeisterung dabei. Bei uns an der Uni haben wir die Studenten zum ersten Mal
über Politik diskutieren hören. Leider endeten alle Diskussionen mit dem Fazit,
dass sie trotz allen Argumenten immer noch nicht wissen, wen sie wählen wollen
und sie sowieso nur die Wahl zwischen Pest und Cholera haben. Die Stimmung war
deshalb entsprechend ratlos und gedrückt.Wir haben mit unseren Schülern und Vertretungskursen auch über die anstehenden deutschen Wahlen gesprochen und festgestellt, dass die meisten außer „Angela“ nichts über die deutsche Politik wissen, oft nicht einmal, dass überhaupt bald Wahlen sind. Also haben wir den Redebedarf über die französischen Wahlen dazu genutzt, mit ihnen auch über die deutschen Wahlen und das Wahlsystem zu sprechen.
Kurz vor Ostern habe ich die
Ausstellung „Co-Urbanisme“ im „Maison de l’architecture et de la ville“ besucht,
die sich vor allem darauf konzentrierte, wie im Bereich der Stadtplanung der
Dialog zwischen Akteuren und Bewohnern und zwischen Akteuren und der Stadt
gestaltet werden kann.
Ostern habe ich mit Charles bei
seiner Familie verbracht. Es war nicht so gutes Wetter, aber es war schön,
Ostern in einem Familienrahmen zu verbringen, zum jährlichen Lammbraten zu
kommen und eine Katze zu streicheln.
Letzte Woche ist Frieda nach
Lille gekommen und zwei Tage hiergeblieben, bevor wir zusammen nach Holland
gefahren sind. Am Sonntag haben wir uns vor allem die Altstadt angeguckt und
die übliche Tour gedreht. Danach waren wir noch im Euroviertel und haben einen
Park entdeckt, den ich vorher noch nicht kannte. Es scheint, als habe der Park die Aufgabe, die Biodiversität der Stadt zu sichern. Es gibt viel Wasser, sogar zwei kleine Gewächshäuser, alle möglichen Pflanzen und ein bisschen Kunst.
Am Abend waren wir mit Pia bei
Charles und haben die Verkündung der Wahlergebnisse verfolgt. Die nächsten Tage
hatte ich frei und habe deshalb mehr Reaktionen aus der Presse und den sozialen
Medien mitbekommen als aus meinem direkten Umfeld. Am Montag waren Frieda und ich
noch in der Zitadelle. Der Zoo hat wieder aufgemacht und wurde sogar umgebaut.
Am Abend waren wir in Bars und haben ein köstliches Apéro genossen und am
Dienstag ging es nach Holland. Das ist aber einen eigenen Blogpost wert.
Während ich nicht da war, hat Pia
die letzte Stunde mit unseren I4 gehabt. Echt schade, wir hätten noch viel mehr
mit ihnen vorgehabt und mögen sie auch menschlich sehr gerne. Das war echt ein
witziger, sympathischer Kurs, aber wir sind nur langsam vorangekommen. Sie
hatten zwar schon ein Jahr Deutschunterricht, bevor wir sie übernommen haben,
aber wir mussten alle Grundlagen mit ihnen wiederholen und außerdem gab es
große Niveau- und Motivationsunterschiede. Eine Schülerin ist besonders
herausgestochen, hat Freude am Deutschlernen und große Ziele, weil sie sich im
Bereich der erneuerbaren Energien spezialisieren möchte und Deutsch daher in
ihrem Arbeitsleben wichtig wird. Oft haben wir den Kurs in drei bis vier
verschiedene „Gruppen“ geteilt und dabei sehr davon profitiert, dass zwei Lehrende
auf sechs Schüler kamen, insbesondere bei mündlichen Einzelgesprächen. So hat
der schwächste Schüler noch daran gearbeitet, die Grundlagen zu verstehen,
während unsere stärkste Schülerin besonders gefördert werden konnte. Alle auf
ein Niveau zu bringen war aufgrund der fehlenden Zeit leider nicht möglich,
aber wenigstens haben alle etwas gelernt. Vermutlich werden fünf von ihnen auch
nie weiter Deutsch lernen, denn es war das letzte Jahr, dass sie zum
Fremdsprachenunterricht gezwungen wurden.
Es steht mittlerweile übrigens
ganz fest, dass ich meinen Dienst am 16. Juni beendet werde und also
wahrscheinlich ab dem 17. Juni zurück in Berlin bin. Zumindest für den Sommer.








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