Nach meinen 10 Tagen in Berlin bin ich am 2. Januar gut
wieder in Lille angekommen. Ich bin über
Amsterdam gefahren und hatte dort über zwei Stunden Umsteigezeit. Genug, um mir
die besten Pommes von der besten Fritterie der Stadt zu gönnen. Falls ihr mal
in Amsterdam seid: Vlaamse Frites, direkt an dieser langen großen Hauptstraße,
die frontal zum Bahnhof führt, und probiert die Käsesoße!
Hier sind die Temperaturen jetzt auch unter den Gefrierpunkt
gefallen und es hat sogar an zwei Tagen kurz ein kleines bisschen geschneit. Natürlich
war ich dann gleich mal wieder krank.
Unsere Arbeit hat stressig begonnen, weil wir ganz schnell
noch auf den letzten Drücker mehrere Klausuren entwerfen mussten und generell
so einiges ganz schnell noch auf den letzten Drücker zu erledigen hatten.
Danach wurde es aber schnell sehr ruhig. Zurzeit haben wir nur zwei von vier
Kursen. In beiden Kursen haben wir eine Schülerin bzw. einen Schüler
dazubekommen. Der dritte Jahrgang, den
wir zurzeit nicht unterrichten, ist momentan hochbeschäftigt und deshalb auch
selten in der Cafeteria anzutreffen. Dadurch arbeiten wir dort mehr als sonst
und in der Regel mit denselben Personen. Also alles entspannt.
Wir saßen wieder in einigen Meetings zum Thema internationale
Studenten und da es ja seit Anfang des Jahres eine neue Studentenvertretung
gibt, inklusive einer neuen Beauftragten für den internationalen Bereich, weht
hier wieder frischer Wind.
Nachdem wir letzten Monat eine Deutschlandausstellung aufgestellt
haben, ist nun die nächste Ausstellung fast fertig: Kongo und Kamerun. Das war
natürlich etwas schwieriger als über Deutschland, weil wir uns auf dem Gebiet
kaum auskennen. Wir warten nur noch auf die Druckerzeugnisse. Unsere Uni hat
nämlich praktischerweise keinen Farbdrucker, und so müssen wir alles immer bei
der Université Catholique in Auftrag geben.
Außerdem arbeiten wir fleißig an einem Umweltprojekt, aber
das ist noch so wage, dass ich noch nicht zu viel verraten möchte.
Übrigens müssen jetzt aus Sicherheitsgründen alle Studenten
und Angestellte am icam offen sichtbar ein Namensschild tragen. Besucher müssen
sich am Empfang anmelden und bekommen ein Besucherschild.
Am ersten Wochenende waren Pia und ich in Roubaix in einem
bekannten Museum: La Piscine. Nachdem es ursprünglich eine Textilfabrik war,
war es in den 1920er Jahren tatsächlich auch mal ein Schwimmbad und beherbergt
heute das Musée d’Art et d’Industrie. Es wurde nicht groß umgebaut, die
Schilder für Männer- und Frauenumkleiden, die Duschen, etc. sind immer noch
vorhanden, womit eine tolle Atmosphäre kreiert wird. Alle halbe Stunde werden
außerdem für jeweils eine halbe Minute Schwimmbadgeräusche eingespielt. Das
Museum umfasst mehrere Ausstellungen, die alle um Thema Textilien, Wasser, oder
die Geschichte des Nordens behandeln, z.B. die Statuen im ehemaligen Becken,
die Gemälde hinter den Duschen, die ausgestellte Mode in den oberen Duschen
oder die Karten der Region während der Industrialisierung, nach dem Krieg, etc.
Pia und ich haben unsere Neujahresvorsätze ganz gut
angepackt, und haben untereinander auf Französisch geredet. Das lassen wir
leider momentan wieder etwas schleifen. Außerdem ist nach der Weihnachtszeit
endlich wieder Zeit für Sport, bessere Ernährung, etc. Die Sportkurse sind
tatsächlich zeitweise voller, aber es bleibt noch alles im Rahmen. Außerdem
haben Pia und ich mal die Cardiogeräte im Fitnessraum ausprobiert und manchmal
begleite ich Charles in den Keller in den richtigen Kraftraum. Anfangs habe ich
mich vor der Atmosphäre dort regelrecht gegruselt, weil dort nur sehr muskulöse
Männer trainieren, die voll den Plan haben. Aber eigentlich sind die alle nett, es ist wirklich
praktisch, um Arme, Brust und Rücken zu trainieren, was in den Kursen oft zu
kurz kommt, und manche Geräte sind ganz lustig.
Der HipHop-Kurs hat noch nicht wieder angefangen, aber mein
Spaß am Tanzen wird ganz gut durch Rock und Zumba befriedigt. Beim Hockey war
ich dieses Jahr auch noch nicht, weil erst noch Ferien waren, und seitdem das
Feld gefroren war. Außerdem hatten eines Montags meine WG und ich ein Gespräch
mit einem Sozialarbeiter, weswegen ich Hockey wieder ausfallen lassen musste.
Eine kurze Erklärung letzterem: Bei einer
Sicherheitskontrolle wurde festgestellt, dass alle drei Feuerlöscher in unserer
Wohnung benutzt wurden und damit ersetzt werden müssen. Der Sozialarbeiter, der
für uns im Studentenwohnheim zuständig ist, hat uns danach gefragt, uns
geglaubt, dass keiner von uns etwas damit zu tun hat, und uns davon befreit,
die Kosten tragen zu müssen. Er ist aber ein bisschen seltsam, und scheinbar
ziemlich einsam. So ist er bekannt dafür, sich gerne zum Essen einzuladen. Uns
zum Beispiel hat er nahegelegt, dass wir uns doch unbedingt näher kennenlernen
sollten und wir am besten ein Buffet veranstalten, bei dem jeder etwas aus
seiner Region mitbringt. Daraus wurde dann eine Feier des ganzen
Studentenwohnheims, aber um noch einmal innig Zeit mit uns zu verbringen, hat
er sich für heute nochmal bei uns in der Wohnung zum Essen eingeladen.
Auch sehr wichtig im Winter: Schlittschuhlaufen! Jetzt nach
Weihnachten ist endlich genug Zeit dafür und das habe ich im Januar bereits
zweimal genutzt. In Lille gibt es nur eine einzige Eisbahn. Die ist auch
eigentlich gar nicht in Lille, sondern in Wasquehal, ein bisschen
außerhalb. Als ich mit Charles dort war,
haben wir 15 Minuten im Auto dorthin gebraucht, mit Pia etwa eine halbe Stunde,
weil wir Metro gefahren sind und von der Station noch länger laufen mussten. Es
gibt leider keine Außenbahn, aber zum Glück ist es eine Halle. Ich war beide
Male am Sonntag dort, demzufolge viel war auch los, vor allem sehr viele
Kinder, die mit ihren Fahrhilfen kreuz und quer fahren und sich im schlimmsten
Fall direkt vor dir hinpacken. Es hat trotzdem Spaß gemacht!
Am 21. Januar war an allen Unis in Lille Tag der offenen
Tür. Ich habe die Möglichkeit genutzt, mir die Université Lille, Sciences et
Technologies (Lille 1) anzugucken. Ihr
Campus ist die Cité Scientifique in Villeneuve d’Asq und ist von mir aus innerhalb
von 15 Minuten mit Metro zu erreichen. Sie ist die „TU“ unter den staatlichen
Unis in Lille, aber nächstes Jahr werden alle drei Unis zusammengeführt. Sie
ist im Gegensatz zum icam angenehm groß. Ich finde es immer witzig, wie mich an
Universitäten mit breitem Fächerspektrum so etwa jedes zweite Fach anspricht
und an ich an TUs immer von jedem Fach außer meinem Wunschgebiet eher
abgeschreckt bin. Jedenfalls konnte ich fast alle meine Fragen klären und habe
gute Ansprechpartner gefunden. Komisch war wieder, wie viele Eltern an den
französischen Hochschulinformationstagen vertreten sind. Und bei diesem Tag an
dieser Uni spezifisch fand ich die Beteiligung der Studenten recht gering.
Vielleicht bin ich aber auch einfach verwöhnt davon, wie gut sich die TU Berlin
letztes Jahr präsentiert hat.
Ende Januar stand dann das größte Event des Jahres an: die
Icam-Gala! Aber darüber folgt noch ein eigener Blogpost. Alle ausländischen
Studenten, die leider nur ein Semester hierbleiben, sind noch bis zur Gala geblieben
und drei der neuen Ausländer früh genug angereist, um auch dabei sein zu
können.
Den Abend vorher gab es noch eine Feier zum Empfang der
neuen Ausländer, Abschied der abreisenden ausländischen Studenten und Dialog
zwischen Internationalen und Franzosen. Wir haben sie mitorganisiert und
mitgeholfen und es war richtig gut! Es sind richtig viele gekommen, obwohl der
Eintritt zwei Euro gekostet hat. Es haben sich einige Leute neu kennengelernt
und alle haben sich gut amüsiert.
















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