Übers Essen wollte ich schon immer schreiben und das ist die letzte Gelegenheit. Die nordfranzösische Küche ist
sehr reichhaltig, käse-, fleisch-, bier- und kartoffellastig und hat sich viel
von den Belgiern abgeguckt. Es schmeckt alles sehr gut, aber ich habe selten
jemanden einen ganzen Teller von einem dieser Gerichte aufessen sehen. Am besten kostet man sie in traditionellen Gaststätten, den Estaminets.
Maroilles
Der Maroilles ist ein eckiger,
orangener Weichkäse aus Kuhmilch, der während seiner viermonatigen Reifephase
regelmäßig gebürstet und mit Bier gewaschen wird. Er ist einer der ältesten
Käse Frankreichs (wird seit dem 7. Jahrhundert hergestellt) und DER Käse aus
der Region. Und obwohl er sehr stark ist, wird er in so einige Gerichte mit
reingehauen. Zu erwähnen ist hier unbedingt die „tarte au maroilles“, eine
Quiche mit viel Maroilles.
Pommes
Gerade, wenn aufs Land fährt,
trifft man in jedem noch so kleinen Dorf auf eine Frittenbude, egal wie nah die
nächste ist und egal, dass das Angebot bei allen genau gleich ist. Dazu gibt es
alle erdenklichen Soßen, und natürlich habe ich auch schon eine Maroilles-Soße
gefunden.
Moules-frites
Besonders beliebt zur Braderie im
September, aber nicht nur dann. Erst ist es eine kleine Herausforderung, sie
ordentlich zu essen, ohne sich komplett mit Soße zu beschmieren, aber das lernt
sich schnell. Die bekanntesten Zubereitungsarten sind Natur (nur mit
Gemüsebrühe), Meer (Weißwein und Zwiebeln), Crème und natürlich Maroilles, dann
mit einer sehr starken Maroillessoße. Alle Varianten schmecken gut, aber oft
habe ich nach der Hälfte Lust, eine andere Variante zu probieren. Die
Miesmuscheln werden meistens in einem 1kg-Topf serviert, mit Pommes daneben.
Carbonade flamande
Auch die flämische Karbonade
kommt mit Pommes: Rindfleisch geschmort mit Zwiebeln, Senf, Gewürzbrot und
Bier. Das Besondere ist hier vor allem der
süß-saure Geschmack auf Grund des Bieres einerseits und des Gewürzbrotes und
der mit Rohrzucker karamellisierten Soße andererseits.
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| flämische Karbonade im Vorder-, Welsh im Hintergrund |
Welsh
Der Welsh ist so typisch für die
Region, dass man ihn unbedingt einmal gegessen haben muss, aber ich esse ihn
bestimmt kein zweites Mal. Es handelt sich um Toastbrot und Schinken, großzügig
in einem Meer von mit Bier und Senf verfeinertem Käse ertränkt. Meist kommt
dann noch ein Spiegelei oben drauf, und Salat und Pommes oder Ofenkartoffeln
dazu. Ich glaube, ich habe noch nie etwas Reichhaltigeres gegessen und mich
noch nie so sehr über Salat als Beilage gefreut.
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| eine Demonstration des Käsemeers |
Bier
Zu jedem dieser Gerichte gehört
ein kühles nordfranzösisches oder belgisches Bier serviert. Hier findet man vor
allem obergärige Biere, insbesondere die „Blondes“, mit hohem Alkoholgehalt
(meist so um die 8%) und fruchtigem bis würzigen Charakter - kurzgesagt, um
mich mit meinem fehlenden Wissen nicht zu blamieren - schmeckt mir persönlich
das Bier hier einfach besser als in Deutschland und ich bin damit lange nicht
die einzige. Am liebsten trinke ich es allerdings zu einer typisch
französischen „Planche Apéro“.
Waffeln
Wo wir gerade bei typisch
französisch sind: Hier begegnet man tatsächlich weitaus weniger Crêpes als
Waffeln, vor allem die belgischen. Spezialität sind hier allerdings auch
kleinere, flache, platt gedrückte Waffeln, mit Füllungen wie Buttercreme,
Vanille oder Spekulatius.
Spekulatius
Wer denkt, Spekulatius sei etwas
typisch Deutsches, der irrt, denn ursprünglich kommt es mal wieder aus Belgien
und hat damit auch wieder einen großen Einfluss auf Nordfrankreich. Spekulatius
ist hier überall: in den kleinen Waffeln, auf den großen Waffeln, in Keksform,
als Brotaufstrich, als Eissorte, im Kakao, überall. Ein Glück, denn es ist echt
eine Bereicherung.
Merveilleux
Und noch ein Dessert, das wir den Belgiern verdanken: Les
Merveilleux. In Nordfrankreich ist das Rezept aber etwas abgewandelt: Statt
Sahne umgibt hier eine (Schokoladen-) Buttercreme die Baisers. Das gleichnamige
Geschäft „Aux Merveilleux“ hat mittlerweile expandiert und ist den Angaben
unserer Mitfreiwilligen zumindest auch in Elsaß und Lorraine zu finden. In
Lille ist beim Thema Patisserie „Meert“ das bekannteste Geschäft.







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