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Montag, 12. Juni 2017

La cuisine lilloise



Übers Essen wollte ich schon immer schreiben und das ist die letzte Gelegenheit. Die nordfranzösische Küche ist sehr reichhaltig, käse-, fleisch-, bier- und kartoffellastig und hat sich viel von den Belgiern abgeguckt. Es schmeckt alles sehr gut, aber ich habe selten jemanden einen ganzen Teller von einem dieser Gerichte aufessen sehen. Am besten kostet man sie in traditionellen Gaststätten, den Estaminets.



Maroilles


Der Maroilles ist ein eckiger, orangener Weichkäse aus Kuhmilch, der während seiner viermonatigen Reifephase regelmäßig gebürstet und mit Bier gewaschen wird. Er ist einer der ältesten Käse Frankreichs (wird seit dem 7. Jahrhundert hergestellt) und DER Käse aus der Region. Und obwohl er sehr stark ist, wird er in so einige Gerichte mit reingehauen. Zu erwähnen ist hier unbedingt die „tarte au maroilles“, eine Quiche mit viel Maroilles.



Pommes


Gerade, wenn aufs Land fährt, trifft man in jedem noch so kleinen Dorf auf eine Frittenbude, egal wie nah die nächste ist und egal, dass das Angebot bei allen genau gleich ist. Dazu gibt es alle erdenklichen Soßen, und natürlich habe ich auch schon eine Maroilles-Soße gefunden.



Moules-frites


Besonders beliebt zur Braderie im September, aber nicht nur dann. Erst ist es eine kleine Herausforderung, sie ordentlich zu essen, ohne sich komplett mit Soße zu beschmieren, aber das lernt sich schnell. Die bekanntesten Zubereitungsarten sind Natur (nur mit Gemüsebrühe), Meer (Weißwein und Zwiebeln), Crème und natürlich Maroilles, dann mit einer sehr starken Maroillessoße. Alle Varianten schmecken gut, aber oft habe ich nach der Hälfte Lust, eine andere Variante zu probieren. Die Miesmuscheln werden meistens in einem 1kg-Topf serviert, mit Pommes daneben.





Carbonade flamande


Auch die flämische Karbonade kommt mit Pommes: Rindfleisch geschmort mit Zwiebeln, Senf, Gewürzbrot und Bier. Das Besondere ist hier vor allem  der süß-saure Geschmack auf Grund des Bieres einerseits und des Gewürzbrotes und der mit Rohrzucker karamellisierten Soße andererseits.

flämische Karbonade im Vorder-, Welsh im Hintergrund


Welsh


Der Welsh ist so typisch für die Region, dass man ihn unbedingt einmal gegessen haben muss, aber ich esse ihn bestimmt kein zweites Mal. Es handelt sich um Toastbrot und Schinken, großzügig in einem Meer von mit Bier und Senf verfeinertem Käse ertränkt. Meist kommt dann noch ein Spiegelei oben drauf, und Salat und Pommes oder Ofenkartoffeln dazu. Ich glaube, ich habe noch nie etwas Reichhaltigeres gegessen und mich noch nie so sehr über Salat als Beilage gefreut.



eine Demonstration des Käsemeers


Bier


Zu jedem dieser Gerichte gehört ein kühles nordfranzösisches oder belgisches Bier serviert. Hier findet man vor allem obergärige Biere, insbesondere die „Blondes“, mit hohem Alkoholgehalt (meist so um die 8%) und fruchtigem bis würzigen Charakter - kurzgesagt, um mich mit meinem fehlenden Wissen nicht zu blamieren - schmeckt mir persönlich das Bier hier einfach besser als in Deutschland und ich bin damit lange nicht die einzige. Am liebsten trinke ich es allerdings zu einer typisch französischen „Planche Apéro“.





Waffeln


Wo wir gerade bei typisch französisch sind: Hier begegnet man tatsächlich weitaus weniger Crêpes als Waffeln, vor allem die belgischen. Spezialität sind hier allerdings auch kleinere, flache, platt gedrückte Waffeln, mit Füllungen wie Buttercreme, Vanille oder Spekulatius.



Spekulatius


Wer denkt, Spekulatius sei etwas typisch Deutsches, der irrt, denn ursprünglich kommt es mal wieder aus Belgien und hat damit auch wieder einen großen Einfluss auf Nordfrankreich. Spekulatius ist hier überall: in den kleinen Waffeln, auf den großen Waffeln, in Keksform, als Brotaufstrich, als Eissorte, im Kakao, überall. Ein Glück, denn es ist echt eine Bereicherung.



Merveilleux


Und noch ein Dessert, das wir den Belgiern verdanken: Les Merveilleux. In Nordfrankreich ist das Rezept aber etwas abgewandelt: Statt Sahne umgibt hier eine (Schokoladen-) Buttercreme die Baisers. Das gleichnamige Geschäft „Aux Merveilleux“ hat mittlerweile expandiert und ist den Angaben unserer Mitfreiwilligen zumindest auch in Elsaß und Lorraine zu finden. In Lille ist beim Thema Patisserie „Meert“ das bekannteste Geschäft.





Es gibt noch einige weitere Spezialitäten, z.B. Potjevleesch (so ein Fleischmix-Eintopf. Aber ich habe ja noch ein paar Jahre Zeit, dass zu probieren...

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