Der Mai war schon richtig heiß.
Einerseits ätzend, weil ich all meine Sommersachen immer noch in Deutschland
habe. Andererseits natürlich toll, weil wir auf Grund der vielen freien Tage
gut davon profitieren konnten: Angrillen, Eis anessen, anschwimmen - alles
abgehakt. In Lille war die Zitadelle oft Anlaufpunkt an zu heißen Tagen, abends
die Terrassen der vielen Bars und am Himmelfahrtwochenende waren wir am Meer
und haben den Pool eingeweiht.
Gleichzeitig war der Mai der
regenreichste Monat, den ich in Lille erlebt habe, denn das drückend heiße
Wetter hat sich des Öfteren in Gewittern entladen. Am ersten verlängerten Wochenende im Mai (der
8. Mai ist in Frankreich ein Feiertag) sind unsere ursprünglichen Pläne wortwörtlich
ins Wasser gefallen und so haben wir uns entschieden das Meeresquarium Nausicaä
in Boulogne sur mer zu besuchen. Das ist in etwa vergleichbar mit dem Ozeaneum
in Stralsund.
Den Teil des Tages, den es nicht
geregnet hat, haben wir noch zu einem Spaziergang durch den alten befestigten
Teil von Boulogne genutzt. Wir waren auch in einem kleinen Museum, in der Basilika Notre-Dame und ihrer Krypta.
Am nächsten Tag, am 8. Mai, fand
die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen statt. Wir waren auf dem Dorf und
sind in die kleine Mairie gegangen, wo sich der halbe Ort versammelt hat, um
der Auszählung beizuwohnen. Es war vor allem eine sehr hohe Anzahl an
Null-Briefen festzustellen. In dem Ort hatte Le Pen die Mehrheit erreicht.
Bei uns auf Arbeit ist es heute
wieder sehr ruhig geworden. Wir haben traurigerweise unseren Lieblingskurs
abgegeben, und auch noch einen weiteren Kurs. Vorher haben wir noch die letzten
Noten gegeben, Klausuren entworfen und korrigiert und mündliche Prüfungen
abgenommen. Immer mehr Jahrgänge haben die Uni schon verlassen und in der
Cafeteria sind wenige Leute zum Servieren übriggeblieben. Da aber einige
Studenten bis Anfang Juli durchhalten müssen, sind Pia und ich fast jede Pause
im Cafet und haben auch endlich mal die Einkäufe übernommen.
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| Shoppen in der Metro |
Zu den Studenten, die noch länger
durchhalten müssen, zählt auch unser neuer Deutschkurs. Sie hatten letztes Jahr
schon ein paar Wochen Deutsch und haben dieses Jahr noch mal acht Wochen. Das
sind irgendwie schwierige Zeiteinheiten, um eine neue Fremdsprache zu lernen.
Sie sind für diese Umstände aber echt motiviert und lernen schnell, aber leider
haben sie letztes Jahr fast gar nichts geschafft, weder Akkusativ noch Verneinung
noch Possessivartikel. So fangen wir also quasi ganz von vorn an und legen einen
kleinen Sprint durch die Deutschbasiskenntnisse hin, weil es das letzte Mal
ist, dass sie einen Sprachkurs an der Uni bekommen, und sie es wirklich lernen
wollen.
Außerdem hatten wir noch einige Besprechungen für unseren Club International und haben auch mal wieder eine Veranstaltung organisiert. Leider war ich an dem Tag nicht in Lille, als sie stattgefunden hat, aber ich habe eifrig bei den Vorbereitungen mitgewirkt:
Vor einer Woche haben wir schon
mal eine Abschiedsparty ausgerichtet, bevor die ersten in die Ferien gegangen
sind - besser zu früh als zu spät. Wir waren lange bei uns im Appartement und
danach im Club.
Ende Mai war ich für zwei Tage in
Münster. Ich habe mich bei dem deutsch-französischen Zug von Sciences Po Lille
beworben, ein Studiengang der Deutsch-französischen Hochschule mit der WWU in
Münster. Das Vorstellungsgespräch, zu dem ich dann eingeladen wurde, und der
Sprachtest fanden in Münster statt. Ich habe bei einer Studentin übernachten,
die diesen Studiengang studiert und jetzt im zweiten Jahr ist. Am Abend haben
wir uns noch mit weiteren Studenten getroffen und dort habe ich bereits eine
weitere Kandidatin kennenlernt. Am nächsten Tag habe ich den Vormittag in der
Uni verbracht. Die Studenten des zweiten und vierten Jahres, also diejenigen,
die zurzeit in Münster studieren, haben ein Infocafé vorbereitet und uns auch
mit Nervennahrung und Tipps für das Gespräch versorgt. Mein Gespräch lief ganz
gut, der Sprachtest um einiges besser.
Am Nachmittag sind die meisten
anderen Kandidaten, die ich während der Wartezeiten und am Infocafé
kennengelernt habe, wieder nachhause gefahren und ich habe alleine die Münsteraner
Innenstadt erkundet. Am Abend bin ich mit meiner „Gast“-Studentin noch an den
Aalsee gegangen und wir haben den Sonnenuntergang beobachtet.
Am nächsten Tag habe ich dann
erfahren, dass ich angenommen bin und ich und alle Menschen, die mich das täglich
fragen, endlich wissen, was ich nächstes Jahr machen werde. Aus „lilloise pour
un an“ wird also „lilloise pour quatre ans“, mit kleinen Unterbrechungen.
Da sich auch mein Plan B nächstes
Jahr in Lille abgespielt hätte, habe ich schon vor einigen Wochen angefangen,
nach Wohnungen zu suchen und so einige Wohnungen zu besichtigen. Ich habe auch mittlerweile eine Wohnung gefunden, die meiner Traumwohnung nahe kommt, aber noch ist nichts in sicheren Händen. Aber ich habe ja noch zwei Wochen!

















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