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Sonntag, 4. Juni 2017

Mai-Update



Der Mai war schon richtig heiß. Einerseits ätzend, weil ich all meine Sommersachen immer noch in Deutschland habe. Andererseits natürlich toll, weil wir auf Grund der vielen freien Tage gut davon profitieren konnten: Angrillen, Eis anessen, anschwimmen - alles abgehakt. In Lille war die Zitadelle oft Anlaufpunkt an zu heißen Tagen, abends die Terrassen der vielen Bars und am Himmelfahrtwochenende waren wir am Meer und haben den Pool eingeweiht.




Gleichzeitig war der Mai der regenreichste Monat, den ich in Lille erlebt habe, denn das drückend heiße Wetter hat sich des Öfteren in Gewittern entladen.  Am ersten verlängerten Wochenende im Mai (der 8. Mai ist in Frankreich ein Feiertag) sind unsere ursprünglichen Pläne wortwörtlich ins Wasser gefallen und so haben wir uns entschieden das Meeresquarium Nausicaä in Boulogne sur mer zu besuchen. Das ist in etwa vergleichbar mit dem Ozeaneum in Stralsund.



Den Teil des Tages, den es nicht geregnet hat, haben wir noch zu einem Spaziergang durch den alten befestigten Teil von Boulogne genutzt. Wir waren auch in einem kleinen Museum, in der Basilika Notre-Dame und ihrer Krypta.








Am nächsten Tag, am 8. Mai, fand die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen statt. Wir waren auf dem Dorf und sind in die kleine Mairie gegangen, wo sich der halbe Ort versammelt hat, um der Auszählung beizuwohnen. Es war vor allem eine sehr hohe Anzahl an Null-Briefen festzustellen. In dem Ort hatte Le Pen die Mehrheit erreicht.

Bei uns auf Arbeit ist es heute wieder sehr ruhig geworden. Wir haben traurigerweise unseren Lieblingskurs abgegeben, und auch noch einen weiteren Kurs. Vorher haben wir noch die letzten Noten gegeben, Klausuren entworfen und korrigiert und mündliche Prüfungen abgenommen. Immer mehr Jahrgänge haben die Uni schon verlassen und in der Cafeteria sind wenige Leute zum Servieren übriggeblieben. Da aber einige Studenten bis Anfang Juli durchhalten müssen, sind Pia und ich fast jede Pause im Cafet und haben auch endlich mal die Einkäufe übernommen.

Als noch alle da waren, in unseren schicken neuen Polos

Shoppen in der Metro


Zu den Studenten, die noch länger durchhalten müssen, zählt auch unser neuer Deutschkurs. Sie hatten letztes Jahr schon ein paar Wochen Deutsch und haben dieses Jahr noch mal acht Wochen. Das sind irgendwie schwierige Zeiteinheiten, um eine neue Fremdsprache zu lernen. Sie sind für diese Umstände aber echt motiviert und lernen schnell, aber leider haben sie letztes Jahr fast gar nichts geschafft, weder Akkusativ noch Verneinung noch Possessivartikel. So fangen wir also quasi ganz von vorn an und legen einen kleinen Sprint durch die Deutschbasiskenntnisse hin, weil es das letzte Mal ist, dass sie einen Sprachkurs an der Uni bekommen, und sie es wirklich lernen wollen. 

Außerdem hatten wir noch einige Besprechungen für unseren Club International und haben auch mal wieder eine Veranstaltung organisiert. Leider war ich an dem Tag nicht in Lille, als sie stattgefunden hat, aber ich habe eifrig bei den Vorbereitungen mitgewirkt: 


Vor einer Woche haben wir schon mal eine Abschiedsparty ausgerichtet, bevor die ersten in die Ferien gegangen sind - besser zu früh als zu spät. Wir waren lange bei uns im Appartement und danach im Club.

Ende Mai war ich für zwei Tage in Münster. Ich habe mich bei dem deutsch-französischen Zug von Sciences Po Lille beworben, ein Studiengang der Deutsch-französischen Hochschule mit der WWU in Münster. Das Vorstellungsgespräch, zu dem ich dann eingeladen wurde, und der Sprachtest fanden in Münster statt. Ich habe bei einer Studentin übernachten, die diesen Studiengang studiert und jetzt im zweiten Jahr ist. Am Abend haben wir uns noch mit weiteren Studenten getroffen und dort habe ich bereits eine weitere Kandidatin kennenlernt. Am nächsten Tag habe ich den Vormittag in der Uni verbracht. Die Studenten des zweiten und vierten Jahres, also diejenigen, die zurzeit in Münster studieren, haben ein Infocafé vorbereitet und uns auch mit Nervennahrung und Tipps für das Gespräch versorgt. Mein Gespräch lief ganz gut, der Sprachtest um einiges besser. 

Am Nachmittag sind die meisten anderen Kandidaten, die ich während der Wartezeiten und am Infocafé kennengelernt habe, wieder nachhause gefahren und ich habe alleine die Münsteraner Innenstadt erkundet. Am Abend bin ich mit meiner „Gast“-Studentin noch an den Aalsee gegangen und wir haben den Sonnenuntergang beobachtet.





Am nächsten Tag habe ich dann erfahren, dass ich angenommen bin und ich und alle Menschen, die mich das täglich fragen, endlich wissen, was ich nächstes Jahr machen werde. Aus „lilloise pour un an“ wird also „lilloise pour quatre ans“, mit kleinen Unterbrechungen. 

Da sich auch mein Plan B nächstes Jahr in Lille abgespielt hätte, habe ich schon vor einigen Wochen angefangen, nach Wohnungen zu suchen und so einige Wohnungen zu besichtigen. Ich habe auch  mittlerweile eine Wohnung gefunden, die meiner Traumwohnung nahe kommt, aber noch ist nichts in sicheren Händen. Aber ich habe ja noch zwei Wochen!

Sonntag, 21. Mai 2017

Urlaub in Holland



Nachdem Frieda hier war, haben wir uns zusammen aufgemacht nach Amsterdam. Wir sind nach einer langen Busfahrt erst abends angekommen, sind noch eine Runde spazieren gegangen und auf einem Platz in der Innenstadt versehentlich in einer Hipsterparty gelandet. Insgesamt ist mir dieses Mal aufgefallen, wie unheimlich viele Hipster man in Amsterdam antrifft. Es sind generell viele junge Menschen unterwegs, und man sieht kaum welche ohne Hipsterequipment und all die Dinge, die ich in meinem Umfeld in Frankreich so gut wie nie sehe. Natürlich mangelt es auch nicht an Hipster-Läden und Second-Hand-Shops. 


Mittwoch hatten wir den ganzen Tag Zeit. Als erstes haben wir das Einkaufszentrum „Magna Plaza“ gefunden, das auf Grund seiner Architektur bekannt ist. 




Dann waren wir natürlich am Palast und Nationaldenkmal und sind dann die Grachten entlangspaziert. Ich war dieses Mal überrascht wie grün die Gegend der Grachten ist, mit vielen Bäumen und… Pflanzen am Grachtenrand aber auch viele Pflanzen in den winzigen Vorgärtchen der Häuser oder neben den Eingangstüren.







Dieses Mal in Amsterdam habe ich es endlich mal ins Anne-Frank-Haus geschafft. Vormittags bis zum frühen Nachmittag kommt man nur rein, wenn man sich Monate vorher im Internet sein Ticket gebucht hat. Am Nachmittag ist dann für die „spontanen“ Besucher offen. Wir haben einen guten Zeitpunkt gewählt und standen „nur“ eine gute Stunde an. Leider war das Wetter nicht auf unserer Seite, es hat geregnet, dann geschneit und dann leicht gehagelt. Aber wir waren ja gut ausgerüstet und das Anstehen hat sich wirklich gelohnt.




Am Donnerstag war Nationalfeiertag (Koningsdag weil Geburtstag des Königs). Am Mittwoch wurde schon alles eifrig vorbereitet, es wurde überall saubergemacht, alles mit Fahnen dekoriert, Bühnen aufgestellt, usw. Am Abend wurde dann groß reingefeiert (Koningsnacht), weshalb es am Donnerstagmorgen überraschend lange ruhig war. Gegen Mittag trafen gerade am Bahnhof immer mehr Menschen in orange ein, gerade orangene Hüte waren sehr beliebt, aber auch kleine Krönchen. Und selbst diejenigen, die kein extra Königreich-Niederlande-Fanaccessoires zuhause hatten, haben irgendetwas orangenes gefunden.


Wir sind dann nach Den Haag gefahren, wo der Nationalfeiertag etwas ruhiger angegangen wurde. Es gab ein paar Bühnen und einen Umzug. Erst waren, noch am frühen Nachmittag, sehr wenige Menschen auf den Straßen. Dann sind wir bei unserem Spaziergang auf einen großen Rummel gestoßen, wo scheinbar ganz Den Haag den Feiertag verbrachte. Am späten Nachmittag wurde die Innenstadt dann aber doch noch sehr voll. Am Abend waren wir kurz in unserem Hostel (Hipsterhostel mit Bar mit selbstgebrautem Bier, aber wirklich zu empfehlen: „Hotel The Hague“), und danach in einer anderen Bar. Das ist in den Niederlanden wirklich cool, es gibt noch die guten belgischen und nordfranzösischen Biere, aber auch schon wieder deutsches Bier. 


Ein paar Eindrücke von unserem Spaziergang am Donnerstag: 



Platz "Lange Voorhout", dessen Boden aus Muscheln besteht und auf dem es oft Märkte gibt. Als wir dort waren ein Blumenmarkt.

Rechts der Binnenhof

"Die Passage" - das erste überdachte Einkaufszentrum in Holland


das alte Rathaus


Am Freitag haben wir uns ein etwas strafferes Programm vorgenommen, waren im Binnenhof, am Königlichen Palast und im Palastgarten, beim Friedenspalast und im Friedensmuseum, im Mauritshuis, in China Town und im Stadthuis. 


Der Binnenhof, Sitz des niederländischen Parlaments

Eingang zum Binnenhof
Königlicher Palast

Kunst im Palastgarten

Kunst

Friedenspalast


Anatomiestunde im Mauritshuis


Das Stadthuis (Rathaus) ist für seine Architektur und seine "Beamtenrennbahn" bekannt.




Diese Moschee  befand sich irgendwie mitten in China Town und war mal eine Synagoge. Als wir davorstanden, haben wir gleich von einem netten Mann angeboten bekommen, uns alles zu zeigen. Der Mann konnte leider fast kein Englisch und sonst nur Niederländisch und Türkisch, also war die Verständigung etwas schwierig, aber es hat irgendwie geklappt und es war sehr interessant, vor allem weil ich vorher noch nie in einer Moschee war.

Am Samstag sind wir mit dem Bus zum Meer gefahren, nach Scheveningen, was aber noch ein Ortsteil von Den Haag ist. 




Anschließend sind wir nach Delft gefahren, ein Tipp von unserem Vermieter. Die kleine Stadt liegt südlich von Den Haag, hat wieder mehr Grachten und typisch flämische Architektur, auch sehr alte Bauten und dadurch gleich wieder viel mehr Touristen. Als wir um 16 Uhr dort ankamen, war immer noch überall Markt, Flohmarkt, Antiquitätenmarkt, aber auch viele Blumenstände und Essensstände.


Ich hab vergessen, wie das heißt, aber es war sehr lecker.






Den Haag hat mir richtig gut gefallen, weil auch wieder viele junge, offene, internationale Menschen unterwegs waren, aber nicht so viele Touristen. Es ist im Gegensatz zu Amsterdam auch nicht alles auf die Touristen abgerichtet. Wir haben z.B. keinen einzigen Tourishop gefunden, der auf alle möglichen Gegenstände Cannabisblätter druckt! Es hat nicht nur eine sehr schöne Altstadt, das moderne Viertel und den Strand, sondern auch viele Parks und ist somit einfach sehr vielfältig. Wir hätten fast noch länger dort bleiben können, obwohl drei Tage schon wirklich angemessen waren.