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Mittwoch, 9. November 2016

Meine Arbeit



Eigentlich hatte ich vor, nur ein paar Wochen zu warten, und dann einen ausführlichen Bericht über meine Arbeit hier zu verfassen. Es hat aber einige Zeit gedauert, bis sich die einen oder anderen Bereiche konkretisiert haben. Dadurch dass aber immer wieder neue Projekte auf uns zukommen oder sich erst im Laufe des Jahres entwickeln, ist auch jetzt noch nicht alles klar. Nichtsdestotrotz möchte ich euch langsam mal einen kleinen Einblick in meine „berufliche“ Tätigkeit hier geben.


Die Cafeteria


Die Cafeteria wird von freiwilligen Studenten betrieben und versorgt Auszubildende, Studenten und Mitarbeiter an der Uni mit heißen und kalten Getränken, Snacks, Sandwiches, etc. Wir sind montags, dienstags und freitags in allen Pausen im „Cafet“.




Die Frühstückspause von 9.50 bis 10.10 ist die stressigste. Der Ansturm ist hier immer am größten, vermutlich weil die Franzosen klischeegemäß nicht oder kaum zuhause frühstücken und alle ihre petits pains und ihren Kaffee brauchen. Zum Teil arbeiten wir zu sechst auf engstem Raum und stehen an der Kaffeemaschine an, die leider nur vier Kaffee gleichzeitig ausgeben kann. Anfangs waren es sogar nur zwei Kaffee gleichzeitig. Rückblickend weiß ich echt nicht mehr wie wir das gemacht haben.




Die Mittagspause ist eigentlich von 12.00 bis 13.30, aber wir sind schon früher da, holen paketweise Sandwiches ab, sortieren und zählen sie und bereiten das Cafet auf die Pause vor. In der Mittagspause laufen dann vor allem die Menüs: ein Sandwich, ein Getränk und ein Snack für zusammen 3,50€. Nach etwa zwanzig Minuten ist der Ansturm abgeebbt und man kann selber essen und sich mit den anderen „Mitarbeitern“ im Cafet und einigen Studenten unterhalten, die an der Theke bleiben. Manchmal machen wir dann noch einige Aufräumarbeiten, z.B. den Getränkekühlschrank auffüllen. 



Die Nachmittagspause von 15.20 bis 15.40 verläuft da wieder etwas stressiger, denn der Kaffeebedarf ist wieder groß. Donnerstagsnachmittags arbeiten wir auch im Cafet. Da ist es aber ruhiger, weil nur die Lehrlinge da sind. 


Wir haben uns schnell eingearbeitet und mittlerweile verstehen wir sogar, was die Franzosen meinen, wenn sie englische Firmennamen sehr französisch aussprechen. Generell macht die Arbeit im Cafet echt Spaß und vor allem trifft man viele neue Menschen, nicht nur die, die man bedient, sondern auch das ganze Cafet-Team. Die Verantwortlichen fürs Cafet waren unsere ersten Bekanntschaften hier in Lille, sind gleich auf uns zugekommen, haben mich vom Bahnhof abgeholt und haben uns gleich am zweiten Abend zu ihnen zum Crêpe-Essen eingeladen, was nebenbei bemerkt einer meiner absoluten geschmacklichen Höhepunkte hier war. Sie haben uns bei allen möglichen anfänglichen Startschwierigkeiten geholfen und auch die Kennlernparty mit dem Rest des Teams war einer meiner coolsten Abende hier.

 

Deutschunterricht


Ich hätte niemals gedacht, dass ich mich eines Tages dazu überreden lassen würde zu unterrichten. Und erst recht nicht, dass es mir dann auch noch Spaß macht. Beides ist eingetroffen. Wir haben zurzeit fünf Kurse, beziehungsweise viermal zwei Stunden Unterricht die Woche. Es sind Kurse, die so klein sind, dass sie ohne uns vermutlich nicht zustande kämen. 

Hier am recht verschulten icam haben die Studenten des 1. bis 3. Jahres obligatorisch 2 Wochenstunden Unterricht in ihrer ersten sowie in ihrer zweiten Fremdsprache.  Bei den Studenten des 4. Jahres und den Auszubildenden ist es ein bisschen weniger und anders verteilt, die Studenten des 5. Jahres haben generell keinen richtigen Unterricht mehr. Es gibt ein großes Angebot an Sprachen und Sprachniveaus und die Möglichkeit, seine zweite Fremdsprache zu wechseln, wenn man will.


Am Dienstagnachmittag haben wir einen Kurs, der momentan nur aus einer einzigen Studentin aus dem zweiten Jahr besteht. Im zweiten Semester kommt ein weiteres Mädchen dazu, die derzeit im Ausland ist. Die Studentin in diesem Kurs hatte schon einige Jahre Deutschunterricht, ist aber noch nicht gut genug, um mit dem eigentlichen Kurs mithalten zu können. Mit ihr haben wir bisher unter anderem das Perfekt mit sein, die unregelmäßigen Partizipien und die Adjektivdeklination behandelt.


Am Mittwochvormittag haben wir jeweils drei Wochen lang die Studenten aus dem 4. Jahr und drei Wochen lang die Auszubildenden im 3. Jahr. Erstere bilden einen Kurs mit 6 Studenten, die bisher ein Jahr Deutschunterricht bei unserer Vorgängerin hatten. Es hat uns einige Zeit gebraucht, bis wir festgestellt haben, welches Niveau sie haben, was wir wiederholen müssen und wo wir weitermachen können. Eine Schülerin ist besonders motiviert und hat ein viel höheres Niveau als der Rest. Sie müssen wir immer mit extra Aufgaben versorgen. Momentan üben wir bis zum Erbrechen den Unterschied zwischen Dativ und Akkusativ. Das erst einmal selbst zu durchblicken und auf Französisch Studenten zu erklären, die das weder aus ihrer Muttersprache noch aus bisher erlernten Fremdsprachen kennen, war eine ganz schöne Herausforderung.


Die Auszubildenden im 3. Jahr sind zu fünft und absolute Anfänger. Mit ihnen machen wir das gleiche wie mit den Studenten im 3. Jahr. Und obwohl sie nur halb so viele Stunden Deutsch haben, kommen wir fast gleich schnell mit ihnen voran, weil sie fast nie Fragen stellen, generell wenig von ihnen kommt und sie auch schneller, aber oberflächlicher arbeiten als die Studenten im 3. Jahr.


Diese vier haben wir immer donnerstagsvormittags und sie sind ehrlich gesagt mein liebster Kurs. Auch sie haben mit uns Anfang des Jahres erst angefangen Deutsch zu lernen, deswegen wissen wir genau was sie schon gelernt haben.  Der Unterricht mit ihnen wird sehr oft sehr lustig, aber obwohl sie sehr aufnahmefähig, interessiert und motiviert sind, ist es schwierig, mit den zwei Wochenstunden schnell genug voranzukommen. 


Es ist ein bisschen absurd, sich als Lehrerin wahrzunehmen, wenn die eigenen Schüler älter sind als man selbst und man mit ihnen zusammen feiern geht, sie dann aber am nächsten Tag benoten soll. Denn ja, wir benoten sie auch, prüfen sie mündlich, entwerfen Klausuren und korrigieren diese. Wirklich eingeführt wurden wir in unsere Arbeit nie und überprüfen, was wir wirklich machen, tut auch niemand. Wir haben ein Lehrbuch bekommen und können uns jederzeit an unseren Tutor wenden, der ja auch Deutschlehrer ist, und zwar der beste am icam.

Der Club International


Dieser Teil meiner Arbeit ist einer der unkonkreten und seltsamen Bereiche meines Arbeitsalltags. Irgendwer ist irgendwann auf die Idee gekommen, dass wir mit den ausländischen Studenten arbeiten könnten und den "Club International" gründen. Das hat uns sehr zugesagt; allerdings gibt es auch im Studentenbüro eine Abteilung für Internationales, und unsere und deren Aufgaben sind nicht so klar getrennt. 

Wir finden uns des Öfteren in Meetings mit verschiedenen Verantwortlichen und Studenten wieder, die selten zu etwas konkretem führen. Manchmal versuchen wir auszubaden, was die Abteilung für Internationales nicht organisiert bekommt und im Moment sind wir drauf und dran unsere ersten eigenen Ideen umzusetzen. 

Es geht uns nicht nur darum, die ausländischen Studenten, die hier sind untereinander zu vernetzen, ihnen Aktivitäten anzubieten und sie zu integrieren, sondern auch, sie präsent zu machen und auch den französischen Studenten mehr Lust zu machen, ins Ausland zu gehen. Unter anderem haben wir während der Einführungswoche eine Stadtführung durch Lille organisiert und das repas international im Oktober umgesetzt. Außerdem haben wir die Idee der Patenschaften zwischen älteren französischen und internationalen Studenten konkretisiert und einen Vertrag festgelegt. Zurzeit sehen wir eine monatliche Ausstellung zu den unterschiedlichen Nationen vor und haben die Ausstellung über Deutschland schon fast beendet. Als nächstes planen wir einige coole Aktionen für die Adventszeit.

Die Bibliothek


Wenn wir nicht im Büro arbeiten, dann arbeiten wir in der kleinen Bibliothek, die vordergründig als Arbeitsraum dient, und machen dabei die Aufsicht. Wir sitzen am Empfang und arbeiten an unseren Projekten und bereiten unseren Unterricht vor. Wir passen auf, dass niemand isst, trinkt oder laut ist, und sind Ansprechpartner fürs Scannen, Drucken, Kopieren und den Verleih von Büchern.


 

Weitere Projekte


Gestern haben wir unsere ersten zwei Englischstunden gegeben. Das Sprachniveau einiger Auszubildenden lässt zu wünschen übrig und die Englischlehrerin hat uns gebeten, ein paar lockere Stunden zu organisieren, in denen die Schüler Spaß haben und gleichzeitig zum Reden kommen, oder auf andere Weise interessierter an der Sprache sind. Wir hatten mit jedem Kurs nur eine Stunde Zeit und haben mit den Schülern Songtexte behandelt und Spiele gespielt. Das hat super funktioniert und ist gut angekommen. Zudem ist vorgesehen, dass wir die Schüler in ihren mündlichen Probeprüfungen abfragen. Ich weiß aber noch nicht, ob ich das auch machen werde, oder ob Pia das alleine machen wird.


Es war außerdem vorgesehen, dass wir noch mehr mit den Auszubildenden arbeiten, in Aktivitäten, die nicht direkt zum Unterricht gehören. Die Verantwortliche dafür, hat sich aber gestern erst bei uns gemeldet. Mal sehen was darauf wird und welche Form das annimmt…


Ein anderes Projekt, das wir ab nächstem Jahr in Angriff nehmen werden, wird ein Projekt zu Nachhaltigkeit, insbesondere in Bezug auf die Universität. Bisher haben wir nur etwas Brainstorming betrieben, aber es gibt so einige Elemente im Unialltag, an denen man in dem Punkt arbeiten könnte.


Ich halte euch auf jeden Fall mal auf dem Laufenden, was aus den einzelnen Projekten wird.


Im Übrigen poste ich ab jetzt nur noch einmal die Woche, in der Regel mittwochs, weil ich mittlerweile weniger zu erzählen habe als am Anfang und auch weniger Zeit.

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